Disease Management Programme

Diabetes-Patient Martin bespricht  mit seinem Augenarzt den aktuellen Befund.

„Disease Management Programme“, kurz DMP, sind Angebote, bei denen Menschen mit chronischen Erkrankungen in einer besonders strukturierten Form medizinisch behandelt werden. Deshalb heißen sie umgangssprachlich auch „strukturierte Behandlungsprogramme“ oder „Chronikerprogramme“. Disease Management Programme gibt es auch für Diabetes. Sie beinhalten standardisierte Behandlungs- und Betreuungsprozesse, mit dem Ziel, die Situation chronisch Erkrankter umfassend zu verbessern.

Für verschiedene chronische Erkrankungen, darunter auch Diabetes Typ 1 oder 2, bieten Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen Disease Management Programme (DMP) an. Damit Arztpraxen Ihnen eine Teilnahme an einem solchen DMP anbieten können, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen und Qualitätsanforderungen einhalten. Die Teilnahme an einem solchen Programm bietet Ihnen eine bessere Versorgung und hilft dabei, Folgeschäden und Komplikationen zu vermeiden. Und ist für Sie als gesetzlich Versicherter kostenfrei.

Die Programme umfassen regelmäßige Arzttermine mit Beratungsgesprächen und Untersuchungen sowie weitergehende Informationen zur Erkrankung. DMP setzen darauf, dass Sie als Patient an Ihrer Erkrankung aktiv mitarbeiten: Indem Sie mit Ihrem Arzt individuelle Behandlungsziele vereinbaren, an Schulungen und Präventionsangeboten sowie regelmäßigen Verlaufskontrollen teilnehmen.

Die Rate der jährlichen Augenuntersuchungen der Diabetes-Patienten im Disease Management Programm ist zwischen 2008 und 2014 von 80 auf 68 Prozent gesunken.

Auswertung in den DMP

Die Entwickler der Programme legen Wert darauf, dass bei jedem Teilnehmer die einzelnen Maßnahmen und deren Erfolge genau dokumentiert werden. Die Daten nutzt beispielsweise Ihre Krankenkasse, um Sie bei auffälligen Werten zu beraten oder auch an Schulungen zu erinnern. Außerdem erhalten Ärzte und Krankenhäuser Informationen darüber, wie gut sie ihre Patienten im vergangenen Zeitraum behandelt haben. Insgesamt können so Langzeitdaten erfasst werden, was sich positiv auf die Versorgung und damit auch für Sie als Patient auswirkt.

Bislang zeigen die Daten, dass die DMP die Versorgung der Versicherten sehr gut unterstützen. Vieles deutet darauf hin, dass DMP-Teilnehmer weniger diabetische Folgeschäden und Komplikationen erleiden [1]. Trotzdem: In der Gruppe der 45- bis 69-Jährigen mit Diabetes Typ 1 hatten nach neun Jahren fast drei von zehn Patienten eine diabetische Retinopathie entwickelt [2]. Die Daten zeigen auch, dass seit 2008 immer weniger Menschen mit Diabetes zur jährlichen Augenkontrolle gehen [1]. Umso wichtiger ist es, dass Sie – egal ob mit oder ohne Teilnahme an einem DMP – die Kontrollen regelmäßig wahrnehmen, um eventuelle Schäden frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Aktualisierungen

Die Inhalte der DMP werden in regelmäßigen Abständen überprüft und bei Bedarf aktualisiert. Hierfür verantwortlich ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), in dem Vertreter der Ärzte, der Krankenhäuser, der Krankenkassen und der Patienten in einem eigenen Gremium hierzu diskutieren und entscheiden. Die aktuellsten Dokumente finden Sie auf der Seite des G-BA.

Dr. Jens Lipinski (zuletzt aktualisiert am 22. Mai 2019)

Quellen

[1]Nordrheinische Gemeinsame Einrichtung Disease-Management-Programme: Qualitätssicherungsbericht 2014.
https://www.kvno.de/downloads/quali/qualbe_dmp14.pdf (zuletzt abgerufen am 1.12.2016)

[2]Infas et al: Bericht der strukturierten Behandlungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen – Indikation Diabetes mellitus Typ 1.
https://www.g-ba.de/downloads/17-98-4129/2016-06-15_DMP-Evaluationsbericht_DM1_infas_MNC.pdf (zuletzt abgerufen am 1.12.2016)