Medizinische Leitlinien

Leitlinien sollen dazu beitragen, dass Patienten angemessen behandelt und versorgt werden. Sie fassen das aktuelle medizinische Wissen zusammen, wägen Nutzen und Schaden von Untersuchungen und Behandlungen ab und geben auf dieser Basis konkrete Empfehlungen zum Vorgehen. Eine Leitlinie soll außerdem beschreiben, wie gut eine Empfehlung wissenschaftlich belegt ist. Sie wird von einer Expertengruppe im Auftrag einer oder mehrerer medizinischer Fachgesellschaften erstellt. Leitlinien müssen regelmäßig aktualisiert werden, um den aktuellen Stand gewährleisten zu können.


Wichtig: Im Gegensatz zu Richtlinien sind Leitlinien rechtlich nicht verbindlich, sondern stellen eine Orientierungshilfe dar.


Eine besondere Form der Leitlinien sind die sogenannten Nationalen Versorgungsleitlinien. Diese werden in Deutschland für ausgesuchte Erkrankungen entwickelt, die besonders häufig vorkommen und an denen typischerweise Ärzte aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten. Im Rahmen des Programms standen bisher sechs verschiedene Leitlinien zu Diabetes mellitus Typ 2 und seinen Folgeerkrankungen zur Verfügung, die derzeit zu einer zusammengefasst werden. Immer noch online steht die Nationale Versorgungsleitlinie speziell für die Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes. Herausgeber dieser Leitlinie sind unter anderem die Bundesärztekammer, die Deutsche Diabetische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).1

Inhalt der Leitlinie

In den Leitlinien ist alles Wichtige über Definitionen, Häufigkeiten, Risikofaktoren, ärztliche Untersuchungen und Behandlungen, Rehabilitation sowie Koordination zum diabetischen Auge zusammengefasst. Hieran wird beispielsweise deutlich, „dass ein beträchtlicher Anteil der Menschen mit Diabetes augenärztlich nicht in den empfohlenen Intervallen untersucht wird“ und, dass „die Erkennung und Behandlung der diabetischen Retinopathie eine Maßnahme mit hohem Nutzen für die Lebensqualität darstellt“.

Falls Sie sich die Inhalte der Leitlinie im Detail ansehen möchten, klicken Sie hier.

Patientenleitlinien

Dort finden Sie auch die Patientenleitlinie, die ebenfalls derzeit überarbeitet wird. Damit auch Patienten die Inhalte verstehen und nutzen können, sind zusätzliche Patientenleitlinien entwickelt worden. Hier können Sie in verständlicher Sprache nachlesen, was Schäden an der Netzhaut bedeuten und wie man diesen vorbeugen kann. Außerdem wird erklärt, was die Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt beinhalten und was bei schon vorliegenden Schäden zu tun ist. Die Patientenleitlinie gibt Aufschluss darüber, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und mit welchen Risiken diese verbunden sind.2

Für die Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes gibt es jeweils eigene Leitlinien. Diese finden Sie auf der Seite der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Dort finden Sie ebenfalls weitere Patienten-Leitlinien zu den Themen Diabetes und Straßenverkehr, Diabetes und Schwangerschaft sowie zu Nerven- und Nierenschädigungen bei Diabetes.

Quellen


1 Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes – Langfassung, 2. Auflage. Version 2. 2015. www.netzhautkomplikationen.versorgungsleitlinien.de (zuletzt abgerufen 09.12.2019).

2 Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Diabetes – Schäden an der Netzhaut: Vorbeugen und behandeln. PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie, 2. Auflage. Version 2. 2016. www.netzhautkomplikationen.versorgungsleitlinien.de (zuletzt abgerufen 09.12.2019).

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in diesem Text die männliche Grundform genutzt. Selbstverständlich beziehen sich die Bezeichnungen, z. B. Patient oder Arzt, auch auf weibliche und non-binäre Personengruppen.