Diabetische Retinopathie / Makulaödem - Behandlung und Therapien

Therapie

Behandlungsmöglichkeiten der diabetischen Retinopathie / Makulaödem

Es gibt verschiedene Wege, das Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie / eines diabetischen Makulaödems zu verhindern und die Sehkraft zu erhalten oder sogar zu verbessern. Welche Behandlung und welches Mittel geeignet sind, sollte individuell und gemeinsam mit Ihnen besprochen und entschieden werden. Dabei orientiert sich Ihr Arzt an wissenschaftlichen Empfehlungen, den sogenannten Therapieleitlinien.

 

Behandlungsoptionen und Ziele

Ein wichtiger Teil der Therapie ist die systemische Behandlung, also eine optimale Einstellung des Blutdrucks und die Vermeidung von Risikofaktoren. Dies hat einen positiven Einfluss auf zahlreiche andere Komplikationen. Die augenärztliche Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung der zentralen Netzhaut zu stabilisieren, den Austritt von Flüssigkeit zu stoppen und das Wachstum von Gefäßen zu verhindern, um Einblutungen oder Netzhautablösungen zu verhindern. Wird eine milde, gerade beginnende diabetische Retinopathie festgestellt, kann es auch sein, dass nicht sofort eine Therapie zum Einsatz kommt. Gegebenenfalls vereinbart Ihr Arzt mit Ihnen regelmäßigere Kontrolltermine in kürzeren Abständen, um das Fortschreiten zunächst zu beobachten. Gesundes Verhalten wie Bewegung und der Verzicht auf Nikotin können die Situation positiv beeinflussen.


Bei einem Makulaödem ist es das Ziel, die überschüssige Flüssigkeit möglichst effektiv und dauerhaft zu entfernen.1

 

Laser-Therapie

Bei der so genannten Laserkoagulation können undichte Gefäße verschlossen und damit weitere Blutungen und Ablagerungen verhindert werden. Die entstehenden Narben führen dabei zu einer Verminderung des Wachstums der Gefäßwucherungen, den typischen Symptomen einer diabetischen Retinopathie. Auf diese Weise kann der Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst und ein Fortschreiten der Sehverschlechterung verzögert werden.2 Die Behandlung selbst wird oft mehrmals durchgeführt und bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung wiederholt.3


Vor der Behandlung wird die Augenoberfläche mit Augentropfen betäubt, um ein spezielles Kontaktglas auf das Auge setzen zu können. Durch dieses wird der Laserstrahl gezielt auf die Netzhaut geleitet.


Bei konsequenter Durchführung der Behandlungen kann in der Mehrzahl der Fälle ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung gestoppt oder zumindest eine Verschlechterung hinausgezögert und das Auftreten schwerer Komplikationen (z.B. Glaskörpereinblutungen, Gefäßwucherungen auf der Iris, Netzhautablösung) verhindert werden.3 Nimmt die Schwellung der Netzhaut durch die Behandlung ab, kann es auch wieder zu einer Verbesserung der Sehschärfe kommen, wenn die Nervenzellen noch nicht zu stark geschädigt sind.

 

Spritzenbehandlung: Intravitreale Injektionen (IVOM)

Eine weitere Behandlungsmethode ist die sogenannte „intravitreale Injektion“, die in Fachkreisen „Intravitreale operative Medikamenten-Gabe“ (IVOM) genannt wird . Diese werden vor allem dann empfohlen, wenn auch die Gefäße der Makula betroffen sind. Bei diesem operativen Eingriff werden ambulant Medikamente in das Augeninnere, den sog. Glaskörper, injiziert, nachdem die Oberfläche mit Tropfen betäubt und desinfiziert wurde.4
Es werden zwei verschiedene Präparate-Gruppen zur Behandlung der diabetischen Retinopathie –speziell des diabetischen Makulaödems – verwendet. Diese unterscheiden sich bezüglich des Wirkmechanismus, wie auch in der jeweiligen Wirkdauer und dem Nebenwirkungsspektrum.

 

    VEGF-Hemmer (englische Abkürzung für „Vascular endothelial growth factor) verhindern die Produktion des sog. VEGF-Botenstoffes, der unter anderem für die Neubildung von Gefäßen und die Gefäßdurchlässigkeit zuständig ist. Durch Veränderungen des Stoffwechsels wird dieser Botenstoff bei Diabetikern vermehrt gebildet. Wird er gehemmt, kann meist ein Rückgang der Makulaschwellung und oft eine Sehverbesserung erreicht werden. Da die Wirkung einer Injektion jeweils nur zirka 4-6 Wochen anhält, sind zunächst mehrere Injektionen in monatlichen Abständen nötig. Danach wird meist abhängig vom Befund weiterbehandelt. Es werden im ersten Behandlungsjahr hierzu durchschnittlich 7-9 Injektionen für eine effektive Therapie benötigt. Danach sinkt die Notwendigkeit von Wiederbehandlungen deutlich ab, so dass nach durchschnittlich 2-3 Jahren meist nur noch wenige Injektionen pro Jahr nötig sind.4

     

    Kortisonpräparate wirken gefäßabdichtend und lassen so die Schwellung abklingen. Die Wirkung einer Injektion ist hier meist deutlich länger als bei den VEGF-Hemmstoffen. Jedoch können hier häufiger Nebenwirkungen auftreten, wie beispielweise die Entwicklung eines Glaukoms und einer Kataraktprogression. Deshalb gelten sie gegenüber den VEGF-Hemmern eher als Reservetherapie.2 Sie werden vor allem dann bei einem diabetischen Makulaödem eingesetzt, wenn das Sehvermögen hierdurch beeinträchtigt wird und VEGF-Hemmstoffe nicht wirken oder diese aus anderen Gründen nicht in Frage kommen.4


    Immer, wenn Medikamente ins Auge gegeben werden, besteht das sehr geringe Risiko einer Infektion. Deshalb ist es wichtig, dass sich behandelte Patienten nach einer entsprechenden Medikamenteneingabe bei bestimmten Warnzeichen wie einer zunehmenden Rötung des Auges, Schmerzen sowie bei einer Beeinträchtigung oder Mindereung der Sehkraft sofort bei Ihrem Augenarzt vorstellen.5


    Dennoch bleibt die IVOM-Therapie ein wirksames Standardbehandlungsverfahren beim diabetischen Makulaödem mit nur sehr selten zu erwartenden schweren Komplikationen. Sie kann vielfach helfen, das Sehvermögen zu verbessern. Auch eine Kombination mit einer Lasertherapie ist möglich.4

     

    Quellen

    1 Deutsches Ärzteblatt 2010; 107(5): 75–84
    DOI: 10.3238/arztebl.2010.0075 https://www.aerzteblatt.de/archiv/67564/Diabetische-Retinopathie (zuletzt zugegriffen 25.01.2021)
    2 Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der Retinologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands zur Therapie der diabetischen Makulopathie, 2013, http://www.dog.org/wp-content/uploads/2013/03/Stellungnahme_DMÖ_2014_04.pdf (zuletzt zugegriffen 25.01.2021)
    3 IFDA/AGDA. Lasertherapie. https://www.diabetes-auge.de/index.php/therapien/lasertherapie (zuletzt abgerufen am 25.01.2021).
    4 IFDA/AGDA. Operative Medikamenteneingabe. https://www.diabetes-auge.de/index.php/therapien/operative-medikamenteneingabe (zuletzt abgerufen am 25.01.2021).
    5 Meyer CH et al: Intravitreale Injektion. Kontrollen zur Vermeidung von postoperativen Komplikationen. Der Ophthalmologe (2008).
    http://rd.springer.com/article/10.1007/s00347-008-1701-7 (zuletzt abgerufen am 25.01.2021)

     

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