Das Auge

Das Auge ist ein Sinnesorgan. Das Sehen ist einer unserer fünf Sinne. Ob Hören, Riechen oder Fühlen – mit keinem anderen Sinnesorgan nehmen wir so viele Eindrücke in so kurzer Zeit auf wie mit den Augen.  In jeder Sekunde werden mehr als 10 Millionen Informationen verarbeiten, unter anderem 600.000 Farben.1 Damit das funktioniert, müssen die Informationen an das Gehirn weitergeleitet werden. Dazu wandeln mehr als 100 Millionen Sehzellen diese Reize in Nervenimpulse (elektrische Signale) um, die verrechnet und zur Weiterverarbeitung an das Gehirn geleitet werden.2   

 

Für die meisten von uns ist gutes Sehen so selbstverständlich, dass wir gar nicht darüber nachdenken. Dabei leisten unsere Augen und unser Gehirn ständig Höchstleistungen.

 

Aufbau des Auges

Das Auge ist von den präzisen Abständen seines Aufbaus abhängig. Erst das Zusammenspiel und die Zusammenarbeit aller Komponenten ermöglichen es uns zu sehen. Erfahren Sie hier mehr über den Aufbau und die Bestandteile des Auges.

 

    Die Hornhaut (lat.: Cornea) macht das Fenster des vorderen Augenabschnitts aus. Sie ist leicht gewölbt und besteht hauptsächlich aus sehr feinen, dicht gepackten Kollagenfasern (Bindegewebsfasern aus Eiweiß). Dadurch bildet die Hornhaut eine glasklare Kuppel, die von der Außenseite mit Tränenflüssigkeit benetzt ist und eine Dicke von etwas mehr als einem halben Millimeter hat. Sie ist dafür zuständig eintretende Lichtstrahlen zu bündeln.  Ohne die Hornhaut hätte der Mensch keine passende Brechkraft. So entsteht ein klares Bild auf der Netzhaut.
    Dank ihrer Mehrschichtigkeit und dem Tränenfilm ist die Hornhaut vor äußeren Einflüssen (Verletzungen, Bakterien, Pilzen) geschützt.

     

    Die Bindehehaut (lat.: Konjunktiva) entspricht dem weißen Bereich, der von außen sichtbar ist. Es handelt sich um eine Schleimhaut, die für die Abwehr von Infektionen und Fremdkörpern wichtig ist. Das Auge kann viel Schleim und Tränen produzieren, z.B. um Fremdkörper wie Staub schnell los zu werden. Die Bindehaut kleidet auch die Lider von innen aus. Das mehrlagige Gewebe ist frei verschieblich und kann in bestimmten Situationen anschwellen.

     

    Die Lederhaut (lat.: Sclera) gibt der festen Augenwand die notwendige Stabilität. Obwohl sie zum Teil recht dünn ist (ein Fünftel mm), erreichen die dicht gepackten Fasern eine große Stabilität.

     

    Die Iris (altgr.: Regenbogen), auch Regenbogenhaut genannt, ist der farbliche Ring, der die Öffnung der Pupille umgibt. Sie liegt hinter der Hornhaut und besteht aus Bindegewebe, Epithelzellen und Muskulatur. Die Muskulatur besteht aus zwei Muskeln, die für das Weiten und Verengen - je nach Lichtverhältnis - der Pupille zuständig sind. Die Iris selber ist lichtundurchlässig und besteht auch aus Pigmenten, die ihr ihre Farbe verleihen. Jedes Irismuster ist individuell durch die Gene bereits im Mutterleib festgelegt. Die Iris wirkt auch als Temperaturschild für den hinteren Augenabschnitt.

     

    Die Pupille entspricht dem schwarzen Kreis in der Mitte des Auges. Sie ist die Öffnung der Iris und steuert den Lichteinfall in das Innere des Auges.
    Je nach Lichtverhältnissen verkleinert oder vergrößert sich die Pupille, dadurch kann der Lichteinfall auf der Netzhaut angepasst werden. Die Pupille kann sich je nach Stimmungslage (Angst, Aufregung, Freude) vergrößern und verkleinern.

     

    Die Linse (lat.: Lens crystallina) ist für eine scharfe Abbildung zuständig. Sie liegt hinter der Pupille und ist eine Sammellinse. Das heißt, dass sie das eintretende Licht an der Hinterseite des Auges bündelt. Dadurch kann auf der Netzhaut ein scharfes Bild entstehen. Die Linse ist ein durchsichtiger, elastischer und leicht gekrümmter Körper. Die Elastizität lässt in der Regel im Alter nach und führt zur sogenannten Alterssichtigkeit.

     

    Der Glaskörper (lat.: Corpus vitreum) ist eine gelartige, durchsichtige Substanz (98% Wasser und 2% Hyaluronsäure und Kollagenfasern) und füllt das Augeninnere zwischen Linse und Netzhaut aus. Das durch die Linse einfallende Licht durchquert ihn auf dem Weg zur Netzhaut.

     

    Die Netzhaut (lat.: Retina) kleidet das Augen-Innere wie eine Tapete aus. Sie ist sehr lichtempfindlich und übernimmt die komplexesten Funktionen des Auges. Die Licht-empfindlichen Zellen ermöglichen es, dass wir sehen können. Es werden hier zwei Typen unterschieden, Zapfen und Stäbchen. Die Zapfen sind für das Sehen von scharfen Details, das Erkennen von Farben und die Lesefähigkeit von großer Bedeutung. Die Stäbchen sind mehr für die Orientierung in der Dämmerung und bei dunklen Lichtverhältnissen zuständig. Wenn Licht auf die Netzhaut fällt, wird in diesen Zellen mit eingebautem Lichtsensor ein elektrisches Signal erzeugt, ähnlich wie das durch den Licht-empfindlichen Chip der digitalen Fotokamera geschieht. Diese Signale werden für die unterschiedlichen Informationen (Bewegung, Muster, Farben, Kontraste) bereits in der Netzhaut verrechnet, bis die Impulse über den Sehnerv zum Gehirn weitergeleitet werden. Hier ist gerade das Sehzentrum der Großhirn-Rinde (Hinterkopf) wichtig, um Bildeindrücke und somit das „Sehen“ zu ermöglichen, das wir kennen.

     

    Der Begriff Makula beschreibt als Ortsangabe den Bereich der zentralen Netzhaut. Diese ist deshalb von so großer Bedeutung, weil die hohe Auflösung des scharfen Sehens nur mit diesem Areal möglich ist. Weil die Dichte der Sehzellen nach außen hin schnell abnimmt, kann außerhalb der Makula nur ein verschwommener Seheindruck entstehen. Den Namen „gelber Fleck“ verdankt die zentrale Netzhaut den in hoher Menge eingelagerten gelben Farbstoffen. Die Makula liegt neben dem Sehnerv und hat eine kleine Vertiefung (Fovea) in der die Dichte der Zapfen am höchsten ist.3

     

    Das Sehen

    Wir können nicht nur 600.000 Farbtöne auseinanderhalten. Selbst wenn es fast dunkel ist, erkennen wir noch Formen, Umrisse und Grautöne. Licht wird von allen Gegenstände, Tieren und Menschen reflektiert. Die so zurückgeworfenen Lichtstrahlen erzeugen das Bild, das von der Netzhaut eingefangen wird. Die Lichtstrahlen treffen zunächst auf die Hornhaut und treten dann durch die Pupille und die Augenlinse ins Augeninnere ein, die das Licht bündelt und fokussiert. Die Sehzellen der Netzhaut verarbeiten die Informationen und leiten sie über den Sehnerv an das Gehirn weiter. Das Bild der Netzhaut steht auf dem Kopf. Die Verarbeitung des Gehirns ist dann für den aufrechten Seheindruck zuständig, wie wir ihn kennen. Durch die Fülle an visuellen Eindrücken, die wir täglich wahrnehmen, sind mehr als 30 verschiedene Hirn-Areale und viele Millionen Sinneszellen mit der Auswertung beschäftigt.1

     

     

    Das Augenlicht schützen

    So wichtig unsere Augen für unser Leben und unseren Alltag sind, so empfindlich sind sie auch. Ein Mangel an Vitaminen, ein zu viel an UV-Strahlung und Schwankungen des Stoffwechsels können ihnen schaden. Oft passiert das lange unbemerkt – beispielsweise wenn Diabetes zu Veränderungen führt. Bis Sie die ersten Sehbeschwerden wahrnehmen, ist meistens schon eine Menge passiert. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen und gegebenenfalls die richtige Behandlung wichtig. Wie Sie Ihre Augen bestmöglich schützen können, auch in Situationen, in denen sie besonders beansprucht werden, erfahren Sie in dem Artikel zur Vorbeugung.

    Quellen


    1 Bellebaum C, Thoma P, Daum I: Visuelle Wahrnehmung: Was, Wo und Wie, Neuropsychologie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2012
    2 Franz Fritsch, Das Auge: Wie funktioniert das Sehen?, Verlag: Verein zur Förderung Sehbehinderter, 1995[RK1]
    3 Kuratorium Gutes Sehen e.V.; Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Wesemann: Das Auge – Aufbau und Funktion. URL: https://www.sehen.de/sehen/das-auge/

     

    Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in diesem Text die männliche Grundform genutzt. Selbstverständlich beziehen sich die Bezeichnungen, z. B. Patient oder Arzt, auch auf weibliche und non-binäre Personengruppen.