Technische Helfer

Software mit Vergrößerungsfunktion erleichtert die Bedienung eines Computers.

Ob beruflich oder privat: Computer, Tablets oder Smartphones sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung reichen oftmals die „klassischen“ Einstellungen von Bildschirmen nicht aus, um den Inhalt richtig wahrnehmen zu können. Damit Sie trotz Sehproblemen technische Geräte nutzen können, gibt es je nach Ausprägung der Erkrankung verschiedene Softwarelösungen. Immer mehr Möglichkeiten bietet außerdem die steigende Anzahl von Apps auf mobilen Geräten.

Bildschirmvergrößerungssoftware

Wenn Sie Texte am Bildschirm nicht mehr lesen können, gibt es einfache Hilfsmittel. Durch Installation bestimmter Programme können Sie sich die Bildschirmoberfläche stark vergrößert anzeigen lassen. Wer nur einzelne Ausschnitte vergrößert sehen möchte, kann dies beispielsweise mit einer Lupe tun, die per Maus über den Bildschirm geführt wird. Die meisten Vergrößerungssysteme erlauben eine variable, meist bis zu 16fache Vergrößerung des Bildschirmausschnittes.

Reicht eine Vergrößerung allein nicht aus, gibt es diverse Funktionen für individuelle Kontrast- und Farbanpassungen sowie die Möglichkeit, Texte vorlesen zu lassen. Außerdem können Sie auf einen sogenannten „Screenreader“ zurückgreifen, also einen „Bildschirmleser“. Dabei handelt es sich um ein Programm, das nicht nur den Text, sondern den gesamten Bildschirminhalt erfasst – also auch Symbole und Menüleisten. Mittels Sprachausgabe wird der Inhalt vorgelesen. Eine zusätzliche Hilfe ist auch die individuelle Gestaltung des Mauszeigers. Diesen können Sie in Größe und Farbe an Ihre Bedürfnisse anpassen.

Eine Bildschirmlesegerät überträgt Diabetes-Patient Martin die Seiten des Buches vergrößert auf den Computer-Bildschirm.

Elektronische Lupen, Bildschirmlesegeräte und Vorlesesysteme

Auch für den Umgang mit gedruckten Dokumenten gibt es Möglichkeiten, mit denen Sie sich den Text vergrößert anzeigen lassen können. Für unterwegs und gelegentliche Anwendungen können Sie auf elektronische Lupen mit digitalem Display zurückgreifen. An Ihrem Arbeitsplatz oder Schreibtisch zu Hause können Sie ein Bildschirmlesegerät installieren. Hochauflösende Kameras, ein präzise bewegbarer Vorlagenhalter sowie ein Monitor erleichtern Ihnen das Lesen. Bei beiden Varianten können Sie Farben, Kontrast und Vergrößerungsfaktor einstellen.

Für hochgradig sehbehinderte oder blinde Anwender, die gedruckte Dokumente lesen müssen, gibt es Vorlesesysteme. Diese bestehen im Wesentlichen aus einem Scanner und einer leistungsfähigen Texterkennungssoftware. Entscheidend ist, dass die Texterkennung nicht nur Texte fehlerfrei „liest“, sondern auch Spalten, Tabellen und Grafiken interpretieren kann. Die Ausgabe erfolgt dann als Dokument auf einem angeschlossenen Computer oder als Sprachausgabe.

Mobile Helfer

Wenn Sie bereits ein Tablet oder ein Smartphone besitzen, haben Sie automatisch schon einige der genannten Hilfsmittel in der Hand. Die geläufigen Betriebssysteme dieser mobilen Alleskönner verfügen über einige hilfreiche Funktionen wie etwa Vergrößerungs- und Zoomfunktionen, Spracheingabe oder Vorlesefunktionen und Sprachausgabe. Wem das nicht reicht: Spezielle Apps mit Sprachausgabe bieten Lupenfunktionen zur Vergrößerung oder Funktionen zur Texterkennung von Dokumenten sowie zur Farberkennung.

Bei der Fülle an technischen Hilfsmitteln und Zusatz-Software ist eine gute Beratung wichtig. Informationen finden Sie beispielsweise bei Augenoptikern des „Low-Vision-Kreises“.

Jürgen Hüllen (zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2017)