Aktive Teilhabe: das Berufsförderungswerk Düren

Viele Menschen mit starken Sehproblemen kapseln sich zunächst von der Gesellschaft ab. Das ist eine ganz normale Reaktion, eine Art Trauerprozess. Auch Vorwürfe, Selbstzweifel und Wut sind normale Reaktionen. Die meisten Menschen können nur so allmählich wieder inneren Frieden finden. Es dauert vielleicht ein Weile, aber Sie werden merken: Das Leben geht weiter und Sie können selbst gestalten, in welcher Art und Weise. Wenn für Sie die Zeit gekommen ist, neue Pläne zu schmieden, ist das Berufsförderungswerk Düren (BFW) für Sie da.

Das Berufsförderungswerk Düren ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen mit einer Vielfalt an Leistungsangeboten – für blinde und sehbehinderte Menschen und deren Angehörige sowie für Rehabilitationsträger und Arbeitgeber. Unser wichtigstes Ziel ist es, erwachsene Menschen mit einer Sehschädigung auf dem Arbeitsmarkt einzugliedern beziehungsweise bestehende Arbeitsverhältnisse zu sichern und den Betroffenen damit eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Augenerkrankungen sind nicht immer heilbar. Sie können zu einer dauerhaften Sehbehinderung oder sogar zur Erblindung führen. Für den betroffenen Arbeitnehmer ist dies eine schwierige Situation. Kann er seine bisherige Berufstätigkeit weiter ausüben? Gibt es Möglichkeiten, um den völligen oder teilweisen Sehausfall auszugleichen? Oder ist die bisherige Tätigkeit nicht mehr auszuüben und damit eine berufliche Neuorientierung nötig?

Frühzeitig Klarheit schaffen

Für das Berufsförderungswerk Düren – neben Halle, Mainz und Würzburg eines von vier Beratungs- und Bildungszentren der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter Erwachsener in Deutschland – sind solche Fragestellungen Alltag. Seit der Gründung im Jahre 1977 haben Tausende von Betroffenen die Dienstleistungen des BFW in Anspruch genommen: von der Beratung zur Sicherung des bestehenden Arbeitsplatzes über eine völlig neue Ausbildung bis hin zur konkreten Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sowie bei der Auswahl der notwendigen Hilfsmittel. Das Wichtigste ist, dass die Betroffenen nicht erst monate- oder sogar jahrelang krankgeschrieben sind, sondern frühzeitig Klarheit haben, ob sie ihren bisherigen Beruf weiter ausüben können oder ob eine berufliche Umschulung notwendig ist.

Berufliche Neuorientierung

In vielen Fällen kann der Arbeitsplatz durch eine Umgestaltung, den Einsatz von Hilfsmittel oder einer intensiven Schulung erhalten werden. Gelingt dies nicht und ist der Betroffene bereits arbeitslos, dann beraten die BFW-Mitarbeiter bei einer beruflichen Neuorientierung. In Düren bieten wir ein breites Ausbildungsangebot, das wir immer wieder an die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes anpassen: So sind die traditionellen Blinden- und Sehbehindertenausbildungen zum Telefonisten, zur Schreibkraft, zum Industriearbeiter oder der Grundlehrgang für Physikalische Therapie längst ergänzt worden durch Ausbildungen im Kommunikations-, Büro- und Verwaltungsbereich.

Immer mehr arbeitslose blinde oder sehbehinderte Menschen absolvieren im BFW Düren eine einjährige Integrationsmaßnahme. Haben sich Kenntnisse und Fertigkeiten gefestigt, folgt ein langes Betriebspraktikum – oftmals der Einstieg in einen festen Arbeitsplatz. So individuell und so arbeitsmarktadäquat wie möglich auszubilden: Dieser Grundsatz gilt im BFW Düren für alle Qualifizierungs- und Anpassungsmaßnahmen.

Integration als Ziel

Für das BFW Düren zählt die Integration der Menschen mit Sehbehinderung in den Arbeitsmarkt zum Selbstverständnis: Es ist unser Ziel, gemeinsam mit dem jeweiligen Rehabilitanden einen Arbeitsplatz zu finden, der seinen persönlichen Fähigkeiten und Kenntnissen und auch seiner Gesamtpersönlichkeit entspricht. Davon profitieren letztlich alle. Das Konzept einer umfassenden Betreuung sowohl des Rehabilitanden als auch des Arbeitgebers zahlt sich aus: Trotz der schwierigen Arbeitsmarktlage für Schwerbehinderte haben wir in den letzten zehn Jahren regelmäßig Vermittlungsergebnisse von 70 Prozent erreichen können.

Christoph Granrath (zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2017)