Fit auch wenn die Sehkraft nachlässt

Diabetes-Patient Martin joggt trotz eingeschränkter Sehfähigkeit sicher durch den Wald.

Neue Freunde finden, eigene Stärken entwickeln. All das kann der Sport fördern. Für viele Menschen, deren Sehkraft bereits eingeschränkt ist, ist eine sportliche Betätigung kaum vorstellbar. Doch auch wenn man zunächst unsicher ist, in welchem Umfang das überhaupt möglich ist: Mit dem passenden Angebot werden Sie schnell herausfinden, wie stark Sie eigentlich sind, wie viel Sie sich zutrauen und was Sie erreichen können.

Grundsätzlich können Menschen mit einer Sehbehinderung fast jeden Sport ausüben. Und das sollten sie auch: Sport ist eine gute Möglichkeit, um eventuell vorhandene motorische Einschränkungen auszugleichen. Wenn Sie sich für einen Gerätesport entscheiden, achten Sie darauf, dass die Sportgeräte eine gut erkennbare Farbe haben. Bei anderen Sportarten sollten Markierungen und Begrenzungen – beispielsweise Linien auf dem Spielfeld oder bei Lauf- und Schwimmbahnen – deutlich zu erkennen sein und gute Lichtverhältnisse herrschen. Viele Sportvereine sind heutzutage darauf eingestellt und bieten ihren Mitgliedern optimale Trainingsbedingungen.
Für welchen Sport Sie sich auch entscheiden: In jedem Fall trainieren Sie sportartspezifische Bewegungsabläufe, Körperbeherrschung, Koordination sowie Reaktionsgeschwindigkeit und gewinnen vor allem Selbstvertrauen. Das alles wird sich positiv auf Ihren Alltag auswirken.

Wenn Sie vom diabetischen Auge betroffen sind und etwa Ihr Augeninnendruck zu hoch ist, sollten Sie Sportarten mit starken Erschütterungen meiden. Ein vorheriger Besuch bei Ihrem Augenarzt kann hier Klarheit bringen, worauf Sie achten sollten.

Viele nützliche Tipps sowie Sportangebote in Ihrer Nähe finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e.V. (DBSV).

Ein Sportlerpaar simuliert, als Sehbehinderter und sehender Begleiter gemeinsam laufen zu gehen.

Aktiv mit einem sehenden Begleiter

Wenn Sie sich aufgrund Ihrer Seheinschränkung unsicher fühlen – suchen Sie sich einen Sport-Partner! Es gibt viele tolle Sportarten, die Sie sehr gut mit einem sehenden Begleiter ausüben können. Ein gutes Beispiel ist der Laufsport. Mit etwas Training können Sie sich ohne großen Aufwand von einem sehenden Laufpartner begleiten lassen. Dazu gehören natürlich ein hohes Vertrauen und ein offener Austausch.
Manche Sportarten lassen sich sogar nur zu zweit oder mit mehreren Personen ausüben. Tandem fahren etwa. Paartanz. Oder Rudern. Fragen Sie in Ihrer Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis, ob dort jemand Ihr Interesse teilt.

Anregungen für Individual-, Partner- und Teamsportarten, die Sie auch mit einer Sehschädigung ausführen können, erhalten Sie beim Deutschen Behindertensportverband.

Inklusion durch Sport

Gemeinsam aktiv sein ist die einfachste und auch spaßigste Variante. Darauf zielen alle Vereine ab. Gerade wenn Ihr Sehvermögen eingeschränkt ist, profitieren Sie vom Austausch mit Gleichgesinnten und der Möglichkeit, in der Gruppe Ihre spezifischen Stärken zeigen zu können.

Menschen mit und ohne Einschränkung zusammenzubringen (Inklusion) – darum geht es heute immer häufiger. Und das erleben beide Gruppen als Bereicherung. Auch das Berufsförderungswerk (BFW) Düren nutzt diesen Effekt. Mit seinem Projekt „Sport, Training, Activities Improve Inclusion of Vision Impaired Trainees“ (STAII VIT, sprich: Stay fit) möchte das BFW Düren durch gezielte Sport- und Bewegungsangebote die Lebensqualität von Menschen mit Sehschädigungen verbessern und gleichzeitig Stereotypen und Vorbehalte von nicht-behinderten Menschen gegenüber Sehbehinderten abbauen.

Wenn es auch in Ihrer Nähe ein Berufsförderungswerk gibt, erkundigen Sie sich dort nach entsprechenden Angeboten.

Sonst hilft auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) weiter.

Wer an inklusiven Sportangeboten interessiert ist, kann sich außerdem beim örtlichen Stadt- oder Kreissportbund informieren. Natürlich ist auch die direkte Nachfrage bei einem Sportverein eine gute Möglichkeit, mit den Trainern ins Gespräch zu kommen.

Jürgen Hüllen (zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2017)