Inklusives Training für sehbehinderte Sportler

Zwei Sportlehrer simulieren miteinander das Erklären und Demonstrieren von Bewegungsabläufen bei eingeschränkter Sehfähigkeit.

Sie sind als Trainer in einem Sportverein tätig und haben bereits darüber nachgedacht, Trainingsmöglichkeiten für sehbehinderte Sportler anzubieten? Die Praxis zeigt: Ein inklusives Training mit sehbehinderten oder blinden Sportlern ist in den meisten Fällen mit geringem Aufwand und ohne erhöhtes Verletzungsrisiko möglich. Wenn Sie einige Grundregeln einhalten, kann es losgehen. Sowohl eingeschränkt sehfähige als auch sehende Sportler werden davon profitieren.

Grundlage für die inklusive Sportausübung ist immer ein offener Austausch zwischen sehbehinderten Sportlern, Trainern und Sportkameraden. Sie sollten miteinander folgende Dinge klären:

  • Was kann der Sportler noch sehen und welche Lichtverhältnisse benötigt er?
  • Liegen weitere beeinflussende Erkrankungen vor?
  • Welche Erwartungen und Ziele hat der Sportler für das Training?
  • Welche Hilfestellung benötigt er/sie, welche lehnt er/sie ab?
  • Wobei bestehen – möglicherwiese auf beiden Seiten – Unsicherheiten?

Trainer sollten einige Grundregeln beachten. Diese betreffen die Erklärung und Demonstration von Körperhaltung, Anweisungen für Richtungsänderungen und zu Bewegungsabläufen. Im letzteren Fall müssen sie aufgrund der eingeschränkten Sehfähigkeit gegebenenfalls mit Berührung und Positionierung arbeiten.

Eine Gruppe von Sportlern übt mit Simulationsbrillen ein Ballspiel in einer Turnhalle.

Zusammen mit dem „Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport“ erarbeitete das Berufsförderungswerk Düren innerhalb eines europäischen Projektes einen Kurs, der Trainern diese methodischen Grundlagen praktisch vermittelt. Dieser Kurs zielt darauf ab, die sehbehinderten oder blinden Sportler inklusiv in die Trainingsgruppe einzubinden. Dabei richten sich die Trainer nach dem Konzept des „Sport Education Model“ (SEM). Diese Methode bezieht alle teilnehmenden Sportler aktiv in die Gestaltung und Durchführung des Trainings ein.

Ziel dieses Konzepts ist die Ausbildung zum:

  1. kompetenten Sportler
  2. enthusiastischen Sportler
  3. gebildeten Sportler

Da dieses Prinzip einen hohen Grad an Kommunikation und Kooperation innerhalb der Trainingsgruppe erfordert, ist es für alle Teilnehmer sehr integrativ und bezieht individuelle Besonderheiten der sehgeschädigten Trainingspartner mit ein.

Eine Gruppe von Übungsleitern simulieren in einer Turnhalle Gleichgewichtsübungen für sehbehinderte Sportler.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Kurses ist auch die Selbsterfahrung der sehenden Trainer: Zu Beginn des Trainerkurses werden sie durch Simulationsbrillen in die Situation eines sehbehinderten oder blinden Teilnehmers hineinversetzt. Durch einfache Bewegungs- und Ballübungen sollen die Trainer nachempfinden, wie sehbehinderte Sportler Bewegungsabläufe, Orientierung und akustische Anweisungen durch Trainer und Trainingspartner wahrnehmen.

Auch das Prinzip des „Partnertandems“ wird demonstriert. Hierbei wird ein sehender Trainingspartner aktiv in die Umsetzung der Trainingsabläufe einbezogen, indem er unmittelbar die Einübung von Bewegungsabläufen, Bewegungen in oder auf der Sportstätte unterstützt. In dieser Phase können die verschiedenen methodischen Lerninhalte praktisch erfahren und umgesetzt werden.

Jeder Verein, der ein Training für sehbehinderte Sportler anbieten möchte, kann erste Informationen und Hilfestellungen in der nächstgelegenen Rehaeinrichtung oder Förderschule für Menschen mit Sehschädigung erhalten. Natürlich stehen auch die Landesverbände des Deutschen Behindertensportverbands e.V. (DBS) beratend zur Seite.

Jürgen Hüllen (zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2017)