So können Angehörige unterstützen

Die Frau von Diabetes-Patient Martin hält fest seine Hand, um ihr Verständnis und ihre Unterstützung in seinem Alltag mit eingeschränkter Sehkraft auszudrücken.

Jemand in Ihrer Familie oder Ihrem Bekanntenkreis leidet an einer zunehmenden Störung der Sehkraft? Das ist nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für Sie eine neue und herausfordernde Situation. Außer für die vertraute Person „da“ zu sein, können Sie sie im Alltag unterstützen. Denn mit einer Sehbehinderung fallen viele Dinge nicht mehr so leicht. Ob Einkaufen, Essen kochen, Arztbesuche, Behördengänge oder mal schnell die Glühbirne wechseln – die Liste an alltäglichen Aufgaben ist lang. Es gilt herauszufinden, wo Hilfe nötig ist.

Je nach Ausmaß der Erkrankung müssen Aufgaben neu verteilt werden. Sie als vertraute Person müssen möglicherweise mehr oder weniger viele Aufgaben Ihres Partners, Angehörigen oder Freundes mit übernehmen. Das mag manchmal nötig sein, ist es sehr oft aber nicht. Mit ein paar einfachen Tipps und Veränderungen helfen Sie dem Betroffenen, seine Eigenständigkeit zu behalten und sich gleichzeitig selbst zu entlasten. Wichtig ist, dass Sie alle Maßnahmen oder Anschaffungen vorher offen besprechen.

Schon einige Kleinigkeiten können viel bewirken:

Informationen geben

Sie stellen ab sofort eine wichtige „Informationsquelle“ dar: Je nach Ausprägung der Erkrankung kann es künftig nötig sein, dass Sie der betroffenen Person vieles erklären, beschreiben oder vorlesen.

Ordnung halten

Befinden sich Gegenstände immer am gleichen Platz, sind sie leichter zu finden.

Markierungen anbringen, Kontraste beachten

Ein weißer Lichtschalter auf weißer Wand oder helles Geschirr auf heller Tischdecke – wer schlecht sieht, ist hier schnell verloren. Eine schwarze Umrandung oder eine kontrastreiche Kaffeetafel erleichtern die Orientierung. Besser bedienen lassen sich Küchen- und Haushaltsgeräte wenn Sie sie mit selbstklebenden Markierungspunkten kennzeichnen. Das geht einfach, schnell und ist kostengünstig.

Diabetes-Patient Martin bringt Markierungen und Notizen in seiner Wohnung an, die ihm den Alltag im Haushalt erleichtern.

Für gute Lesbarkeit sorgen

Ob für Ihren Partner, einen guten Freund, eine Freundin oder die Nachbarin: Wenn Sie Dinge beschriften oder für einen Sehbehinderten Termine notieren oder Notizen machen, schreiben Sie groß und deutlich mit einem kräftigen, schwarzen Stift. Hellere Glühbirnen an strategischen Punkten sorgen zusätzlich für Übersicht.

Absprachen treffen, Aufgaben verteilen

Klären Sie offen und möglichst konkret, was Ihr Bekannter, Angehöriger oder Partner selber erledigen kann und wo Unterstützung nötig ist beziehungsweise wie diese genau aussehen kann.

Dabei müssen und sollen Sie nicht alle Hilfe selber leisten. Auch Nachbarn, Freunde, Kinder oder Enkel helfen gerne. Nützlich ist auch hier, Zeiten und Aufgaben konkret festzulegen und gegebenenfalls nach einer Weile zu überprüfen, ob die Aufgaben neu verteilt werden sollten.

Unterstützung von außen suchen

Nicht alle Aufgaben müssen, können oder wollen Familienangehörige oder Freunde erledigen. Unterstützung kann auch von außen kommen. Gerade ambulante Pflege- und Betreuungsdienste können bei vielen haushaltsnahen Dienstleistungen unterstützen – von Einkaufen über Sortieren und Vorlesen von Post bis hin zur Begleitung zu Behörden oder Ärzten. Nicht alle diese Dienstleistungen sind kostenpflichtig. Stadtteilorientierte Nachbarschaftshilfen und Seniorenbüros bieten oft unentgeltlich Dienstleistungen an.

In größeren Städten gibt es Freiwilligenzentren, in denen Menschen anderen Menschen Hilfe anbieten. Informationen finden Sie beispielsweise auf der Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen.

Ein Freund von Diabetes-Patient Martin schreibt ihm eine Notiz in großer Schrift auf einen Zettel.

Hilfsmittel nutzen

Von der Lupe über Uhren mit extra großen Ziffern oder Zeitansage bis hin zu Vorlesegeräten: Für Sehbehinderte gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die den Alltag erleichtern und zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit führen. Sie können beim Aussuchen und Testen helfen.

Wohnraum anpassen

Möbel können zum Hindernislauf werden. Stellen Sie gegebenenfalls ein paar Sachen um. Das sorgt für mehr Übersicht und Bewegungsfreiheit.

Selbsthilfegruppen besuchen

In Selbsthilfegruppen finden Betroffene, aber auch Sie als Angehörige andere Menschen in der gleichen Situation. Viele Teilnehmer empfinden den Austausch als sehr entlastend. Sich gegenseitig Tipps zu geben, wie Probleme des Alltags zu meistern sind, oder zu erfahren, wer welche Hilfsmittel ausprobiert hat und nutzt, stellt eine Bereicherung dar. Oft entstehen hier auch neue Freundschaften.

Für Auszeiten und Entspannung sorgen

So gern Sie einen geliebten Menschen oder guten Freund unterstützen – diese Unterstützung kann für Sie auf Dauer sowohl physisch als auch psychisch belastend sein. Sorgen Sie daher immer wieder für Auszeiten und Phasen der Entspannung.

Christoph Granrath (zuletzt aktualisiert am 06. Juni 2019)