Hilfen zum „Sich Hineinversetzen“

Diabetes-Patient Martin schaut nachdenklich, als er mit seiner Frau über seine Augenerkrankung spricht.

„Wie ist es, sehbehindert oder gar blind zu sein?“ Diese Frage stellen sich viele Angehörige und Freunde. Der beste Experte für diese Frage ist der Betroffene selber. Doch natürlich will sie oder er nicht andauernd über sein Handicap sprechen. Das ist eine gesunde Einstellung! Möchten Angehörige versuchen, sich in die Situation des Betroffenen hinzuversetzen, so gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Sie können alltägliche Dinge wie etwa Zähneputzen oder Nudeln kochen mit verbundenen Augen erledigen. So erleben Sie, wo Schwierigkeiten auftreten und dass Sie sich bei vielen Aufgaben stark konzentrieren müssen, aber auch, mit welch einfachen Tricks Sie besser zurechtkommen. Wenn einmal etwas anders läuft als erwartet oder so richtig schief läuft – ärgern Sie sich nicht. Versuchen Sie, dem Ganzen eine komische Seite abzugewinnen. Denn mit Humor geht vieles leichter! Ein Gespräch mit dem Betroffenen über die Erfahrungen kann helfen, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden.

Wie es ist, auswärts essen zu gehen, können Sie in einem so genannten „Dunkelrestaurant“ erleben, die es seit einigen Jahren in vielen deutschen Großstädten gibt. In diesen Restaurants speisen Sie in absoluter Dunkelheit! So können Sie sich in die Situation blinder Menschen hineinversetzen, da Sie Ihr Umfeld mit allen anderen Sinnen erfahren. In Dunkelrestaurants kommt es zum Rollentausch: Der blinde Kellner findet sich im Raum ohne größere Probleme zurecht, unterstützt seine normalerweise sehenden Gäste und erklärt Ihnen, wie es ist, blind zu sein. So öffnet er den Gästen die Augen für eine andere und doch gleiche Welt.

Christoph Granrath (zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2017)