Behandlungsoptionen

Augentropfen werden zur Schmerzausschaltung vor der Behandlung einer Netzhauterkrankung in das Auge geträufelt.

Es gibt verschiedene Wege, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die Sehkraft zu erhalten oder sogar zu verbessern. Wichtig ist, rechtzeitig mit einer Befund-gerechten Behandlung zu beginnen. Welche Behandlung und welches Mittel geeignet sind, entscheidet der Arzt individuell und gemeinsam mit Ihnen.

Der Arzt orientiert sich dabei an wissenschaftlichen Empfehlungen, sogenannten Therapieleitlinien. Für die diabetische Retinopathie haben Patienten die Möglichkeit, sich selber und in verständlicher Form in einer speziellen Patientenleitlinie über die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Die Behandlung einer Retinopathie zielt darauf ab, das Wachstum von reaktiven Gefäßeinsprossungen zu verhindern oder zu stoppen, um Blutungskomplikationen oder Netzhautablösungen zu verhindern. Bei einem Makulaödem ist es das Ziel, die überschüssige Flüssigkeit möglichst effektiv und dauerhaft zu entfernen, da es sonst hierdurch zu unwiderbringlichen Sehminderungen kommen kann. Bei Trübungen der Linse ist der operative Ersatz mit Einpflanzung einer Kunstlinse aktuell die einzige Behandlungsmöglichkeit.

Bestimmte Schäden an den Netzhautgefäßen lassen sich mittels Lasertherapie behandeln. Insbesondere gegen die Gefäßwucherungen im Rahmen einer Retinopathie ist derzeit eine Lasertherapie noch die Standardbehandlung. Der Laser dichtet auch beschädigte Äderchen im Auge wieder ab, was gegen das Makulaödem genutzt werden kann. Diese Therapie kann insbesondere ein Voranschreiten der Ödem-bedingten Sehverschlechterungen verzögern [1]. Das wird aber dann als sinnvoll angesehen, solange die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens, nicht betroffen ist [1].

Lange Zeit war die Lasertherapie auch bei Makulaödem die einzig verfügbare Behandlung. Doch in den letzten Jahren konnten große Fortschritte erreicht werden: Am häufigsten erfolgt heute die Behandlung eines Makulaödems mit Medikamenten, die in einem ambulanten operativen Eingriff unter keimfreien Bedingungen in den Glaskörper eingebracht werden. Das nennt man „intravitreale operative Medikamenteneinbringung“, kurz „IVOM“. Weil die Medikamente häufiger und schneller zu einer Verbesserung führen, stellt heute die Laserbehandlung des Makulaödems nur noch eine ergänzende oder Reservetherapie dar [2].

Diabetes-Patient Martin steht im OP-Hemd und Augenklappe nach der Behandlung seiner Netzhauterkrankung in der Tür des Behandlungsraumes.

In den meisten Fällen werden bei der IVOM Wirkstoffe verwendet, die einen bestimmten Wachstumsfaktor (VEGF) hemmen, der im Wesentlichen für die Flüssigkeitseinlagerung im Auge verantwortlich ist. Mit diesen sogenannten „VEGF-Hemmern“ kann in den meisten Fällen eine Sehverbesserung erreicht werden. Da die Wirkung von VEGF-Hemmern im Auge allerdings nur eine gewisse Zeit anhält, müssen Patienten die Injektionen in regelmäßigen Abständen wiederholen lassen.
Immer wenn Medikamente ins Auge gegeben werden, besteht das sehr geringe Risiko einer Infektion. Deshalb ist es wichtig, dass sich behandelte Patienten nach einer entsprechenden Medikamenteneingabe bei bestimmten Warnzeichen wie einer zunehmenden Rötung des Auges oder Schmerzen sofort bei einem Augenarzt vorstellen [3].

Alternativ kommen auf die gleiche Weise Kortisonpräparate zum Einsatz. Diese wirken etwas länger, können jedoch nicht selten den Augendruck ansteigen lassen und den Grauen Star (Linsentrübung) fördern [1]. Daher gelten Kortisonpräparate gegenüber den VEGF-Hemmern als Reservetherapie [1].

Im Fall einer schweren proliferativen diabetischen Retinopathie, bei denen der Verlust der Sehkraft trotz dieser üblichen Verfahren fortschreitet, können auch operative Verfahren, wie das gezielte Entfernen von großen Teilen des Glaskörpers, die sogenannte „Vitrektomie“ zum Einsatz kommen [4].

Dr. Georg Spital (zuletzt aktualisiert am 15. Januar 2018)

Quellen

[1]Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der Retinologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands zur Therapie der diabetischen Makulopathie.
http://www.dog.org/wp-content/uploads/2013/03/Stellungnahme_DMÖ_2014_04.pdf (zuletzt abgerufen am 14.11.2017)

[2]Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes.
http://www.leitlinien.de/nvl/html/netzhautkomplikationen/kapitel-5 (zuletzt abgerufen am 1.12.2016)

[3]Meyer CH et al: Intravitreale Injektion. Kontrollen zur Vermeidung von postoperativen Komplikationen. Der Ophthalmologe (2008).
http://rd.springer.com/article/10.1007/s00347-008-1701-7 (zuletzt abgerufen am 14.11.2017)

[4]Sharma S et al.: Surgical management of proliferative diabetic retinopathy. Ophthalmic Surgery, Lasers & Imaging Retina (2014)
https://www.healio.com/ophthalmology/journals/osli/2014-5-45-3/%7Bbf07a3f3-f997-4b53-8693-284647788463%7D/surgical-management-of-proliferative-diabetic-retinopathy.pdf (zuletzt abgerufen am 14.11.2017)